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  NMZ 4/2010

Neue Partituren durchgesehen von Max Nyffeler

Nafan für Gitarrentrio

Stilrichtung, Verwendung: Rhythmisch lebhaftes Spielstück, das die drei Interpreten zu einer organischen Einheit verschmilzt
Form, Struktur: Repetitive Strukturen mit tonaler Achse und hoquetusartig ineinander greifenden, teilweise rein perkussiven Rhythmen. Einsätzige, vierfach gegliederte Form.
Notation, Dauer, Schwierigkeitsgrad: Traditionelle Notation mit Geräuschklängen ca 10 Minuten für fortgeschrittene Laien geeignet
Subjektives Ergebnis: Das Stück weckt die Freude am exakten Zusammenspiel.

  REZENSION: Zeitschrift "FlöteAKTUELL 4/201"

HH065.jpgHubert Hoche
too short for für Flöte und Violine
Bestellnr. HH 065, 15,90€


Wie in Hubert Hoches Duo „X-Way“ für Flöte und Percussion, ist bei „ too short for “ auch Ganzkörpereinsatz gefordert. Hier wird es in Form von gleichzeitigem Sprechen und Spielen, oder in dichter Abfolge von beidem, gefordert. Dadurch entsteht an manchen Stellen fast der Eindruck als ob das Werk nur von einem Spieler aufgeführt wird. Besonders wenn die starken rhythmischen Elemente beider Stimmen fast verschmelzen.
Dem traurigen Anlass des Werkes zum Trotz (die schwere Krankheit von Hoches Schwester) sprüht „too short for“ vor Optimismus und Lebensfreude. Dieses Werk zu spielen und zu einer eigener Interpretation zu führen ist für das Duo eine große Bereicherung. Ich kann das Werk „too short for“ allen Flötisten und Geigern sehr empfehlen.

CARIN LEVINE, SYKE

  REZENSION: Zeitschrift "FlöteAKTUELL 4/2010"

PH030.jpgPeter Hoch
Blow a( )way.2 für Flöte und einen Akteur ad lib.
Bestellnr. PH 030, 12,90€


Das Stück, das bisher nur in der Handschrift vorlag, wurde überarbeitet und liegt nun in einer ansprechenden Ausgabe des Hubert-Hoche-Musikverlages, Helmstadt vor. Die Komposition verwendet unterschiedlich organisierte Materialien: Zum einen, in allen Parametern auskomponierte und exakt notierte Teile, zum anderen solche, in denen nur die Tonhöhen fixiert sind, und schließlich Passagen, die - grafisch und mit verbalen Hinweisen versehen - dem Interpreten einen improvisatorischen Freiraum belassen. Eine weitere Klangschicht bezieht sich auf verschiedene Geräuschaktionen, die, neben den rein instrumentalen Ausdrucksmöglichkeiten auch den Einsatz der Stimme in vielfältiger Weise fordern. So benützt die Komposition fast alle auf der Flöte möglichen Techniken: Vom Spiel in normaler Tongebung und improvisatorischem Umgang mit gegebenem Tonmaterial über Flatterzunge, Blasgeräuschen mit und ohne Tonhöhen, tonhöhenunterschiedlichem Klappenspiel, Vierteltonstufen, multiphonen Klängen und Trillern bis zum Einbezug der Stimme, vom Summen, Brummen und Singen in verschiedenen Lagen zu Instrumentltönen in verschiedenen Registern bis zu außerinstrumentalen Stimm- und Lautaktionen.
Der Wechsel all dieser Techniken macht die Schwierigkeit aus, erfordert Flexibilität und einen versierten Solisten, der diese Techniken beherrscht und außerdem die Fähigkeit besitzt, sich stets und oft unvermittelt auch wieder auf den normalen „schönen“ Flötenton zu besinnen. Dazu tritt (ad lib.) ein Akteur, der sich mit Stimmaktionen beteilgt und mit seiner Gestik bzw. Blickzuwendung den Spielverlauf beeinflussen kann. Darüberhinaus bietet die Komposition eine große Variabilität an Kombinatorik und Gestaltungsmöglichkeiten.
Die insgesamt 15 Teile enthalten 9 tonhöhenfixierte Abschnitte von denen drei rhythmisch/ dynamisch frei gestaltet werden können, und 6 überwiegend geräuschhafte, in space notation notierte Abschnitte. Die ausnotierten Teile können in ihrer Reihenfolge ad libitum ausgetauscht, d.h. beliebig kombiniert werden, so dass jede Aufführung einen anderen Ablauf haben kann.

Der Titel der Komposition weist auf zweierlei hin:
blow a way - d.h. spiele einen Weg durch das Stück hindurch, finde selbst einen Weg und blow away - blase es fort, spiele es einfach weg, werde mit den Schwierigkeiten fertig ohne großen Aufhebens, eine Bagatelle, take it easy...
Die Komposition kann rein instrumental oder ad lib. zusammen mit einem Akteur aufgeführt werden.

MARGIT SCHLOSSER

  REZENSION: Zeitschrift "Flöte aktuell 3/2009"

Floete_aktuell.jpgHubert Hoche
X-Way für Flöte und Percussion
Bestellnr. HH 033, 19,90€


Kommentar von Carin Levine
Die Komposition“ X-Way“ hat einen hohen Stellenwert im Repertoire für Duo mit Flöten und Percussion. Das Stück stellt einen besonderen Reiz für Flötisten/innen dar. Angefangen mit der spieltechnischen Anforderung, mit Bassflöte, zB. Glissandi, Flatterzunge, Bisbigliando und Übergänge ins Luftgeräusch zu produzieren. Und weiter zur Piccolo mit der hohen dritten und vierten Oktave am Schluss des Werkes (Ende Teil E). Um die mittleren Teile mit der Altflöte und normaler Flöte zu spielen, ist eine gute Fingerfertigkeit Voraussetzung.
Die Vier Intermezzi sind meiner Meinung nach eine Art Komposition für sich. Bei den ersten drei Intermezzi muss man die Flöten sehr rasch wechseln und exakt in den durchgehenden schnellen Kontrapunkt wieder einsteigen. Bei dem letzten Intermezzi (das doppelt so lang ist wie die bisherigen) übernimmt der Flötist kurz die Rolle des Schlagzeugers und spielt eine Kombination von Fußstampfen und Lippenpizzicato. Anschließend folgt wieder ein rascher Flötenwechsel - ähnlich wie die bisheriger Intermezzi - während der Schlagzeuger die gewohnte Rolle übernimmt.
Das Gesamtwerk ist eine tolle Herausforderung für jeden Flötist mit „Ganzkörpereinsatz“ und besitzt einen hohen Spaßeffekt!

Kommentar von Marta Klimasara:
X-way von Hubert Hoche erfordert für den Percussionisten höchste Konzentration beim Spielen, da es keine „Pause zum Durchatmen“ gibt, wirkt aber trotzdem kurzweilig. Von Anfang an laufen die Patterns durch und verändern sich geringfügig. Immer wieder werden diese durch das Anschlagen des Gongs und das gleichzeitige Stampfen unterbrochen, worauf ein neues Pattern folgt. Im Stil der Minimal Music wird dann im Abschnitt C durch Verschiebung der Melodie in der rechten Hand das Resulting Pattern verändert, was die Komplexität im Knotenpunkt erhöht.
Die beiden Instrumente Flöte und Marimbaphon ergeben zusammen eine gute Klangfarbenkombination, die durch das Wechseln der Flöten und dem großen Tonumfang des Marimbaphons um ein vielfaches bereichert wird.
Eine Herausforderung für das Zusammenspiel und eine gelungene Erweiterung für das Duo-Repertoire Schlagzeug und Flöte.

Bericht
Die Komposition X-Way war ein Auftragswerk des via nova – zeitgenössische Musik in Thüringen e.V. für das Duo Carin Levine-Flöten und Marta Klimasara-Percussion. Diesen beiden Ausnahmemusikerinnen ist das Werk auch gewidmet. Bei solchen Interpretinnen war klar, dass ich als Komponist keine Kompromisse eingehen musste und ich völlig frei war. Trotz dieser Freiheit ergaben sich unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Rückblickend ist der Flötenpart als virtuos zu bezeichnen, der Percussionpart ist wohl im mittleren Schwierigkeitsgrad anzusiedeln. Zu den ausführungstechnischen Details kommen weiter hinten im Text noch Carin Levine und Marta Klimasara zu Wort.
Bei den Flöten griff ich auf folgende Modelle zurück: Bassflöte, Alt-Flöte, Flöte, Piccolo Der Percussionpart benötigt ein Marimbaphon (maximal benötigter Tonumfang: es bis b’’’) und einen Gong in Es.
Der Werktitel X-Way verrät die wichtigen Aspekte des Werkes. Zwei Linien die gegenseitig laufen und sich in der Mitte treffen. Die Linien stellen die Fortschreitung der Tonhöhen der zwei Musizierpartner dar. Während die Flöte mit der Bassflöte beginnt (also von links unten) und über die Alt-Flöte, Flöte zur Piccolo kommt – also von der Tiefe in die Höhe steigt – beginnt das Marimba in der Höhe (also links oben) und steigt im Laufe der Komposition in die Tiefe.
Dieses X wird auch für die Entwicklung der Notenwerte eingesetzt; der Flötist beginnt mit der Bassflöte, also dem tiefsten verwendeten Flöteninstrument, mit langgezogenen Tönen und endet mit der Piccolo in „geflatterten“ Sechzehntelnoten in den höchsten Tönen. Das Marimba als Hauptinstrument des Percussionparts beginnt eben in der höchsten Lage mit Sechzehntelnoten und endet in tremolierten langen Tönen.
Das Werk ist gegliedert in 5 Abschnitte (A-E), die durch vier Intermezzi unterbrochen sind. Abschnitt A beinhaltet 40 Takte, B 25 Takte, C 66 Takte, D wieder 25 Takte und E wieder -wie anfänglich - 40 Takte. Die Intermezzi 1 bis 3 haben 2 Takte und das Intermezzi 4 beinhaltet 4 Takte. Sie dienen zum Instrumentenwechsel des Flötisten. Formal gesehen ist das Stück absolut symmetrisch angelegt, sieht man von den zwei Takten des 4. Intermezzis einmal ab. Der Teil C mit seinen 66 Takten ist der längste Teil und der Knotenpunkt des Werkes. Den treibenden Part des Werkes besitzt die Flöte. Eine Ausnahme davon ist im Mittelteil von Abschnitt C, dem eigentlichen Knotenpunkt zu erkennen (T. 70 – 82). Hier übernimmt die rechte Hand des Marimbaphonspielers die Führung. (siehe Notenbeispiel 2). Die rhythmische Verarbeitung „dieser rechten Hand“ (von Takt 70 bis 82) steht für eine bestimmte Kompositionsebene dieses Werkes. Lassen sie mich es so nennen: „vorn weg und hinten wieder anstellen“. Hierzu wird an dieser Stelle immer eine Achtel von hinten nach vorne durchgereicht, wenn der Pattern zu Ende gespielt wurde. Somit verschiebt sich die Rhythmik um eine Achtel und das solange bis man einmal komplett durchgewechselt hat. Dieses Prinzip findet in den Abschnitten B, im Mittelteil von C und im Abschnitt D Anwendung.
Ein weiterer Aspekt ist derjenige der Expansion bzw Contraction. Der sich zB in der Entwicklung der Notenwerte, wie oben bereits erwähnt, widerspiegelt. Die Expansion im Kleinen ist auch schön zu sehen im Notenbeispiel 1. Der Takt 69 beinhaltet das komplette Thema in der Flöte, welches ab T. 60 Stück für Stück – Achtel für Achtel – aufgebaut wird. Vom 3/8 Takt bis zum 12/8 Takt. Dieses Prinzip zieht sich durch die Abschnitte A, C und E, während die Abschnitte B und D keine Expansion bzw Contraction erfahren.
Die entstehenden Klänge und deren Prinzip baut auf einer, wie ich es für mich nenne, Tetrachordharmonik auf. Zu beginn dieser Kompositionsphase beinhaltete diese Harmonik Klänge aus den Tönen eines Tetrachordes, ob Sekunde, Terz, zwei Sekunden oder mehr übereinander oder eine Terz und eine Sekunde, das ergab sich aus meiner musikalischen Logik des Hineinhörens in die Klänge. Diese Harmonik ist hier aber erweitert worden und beinhaltet eben nicht nur vier Töne. Außerdem rede ich bei meinen aktuellen Kompositionen nicht mehr von Klängen sondern lieber von Klangräumen in denen sich eben bestimmte Töne bewegen. Diese Räume können sich erweitern oder verkleinern, also wieder das Prinzip der Expansion bzw Contraction.

  REZENSION: Zeitschrift "das Orchester"

RezensionDvorak.gifAntonin Dvorak, Xaver Paul Thoma
Romanze für Solo-Violine und Streichorchester in einer Bearbeitung von Xaver Paul Thoma
Bestellnr. XPT 162, 39,90€ (Partitur)


Antonín Dvorák komponierte seine zauberhafte Romanze für Violine und Orchester in f-Moll op. 11 irgendwann zwischen September 1873 und Anfang Dezember 1877. Das Werk erlebte seine Premiere am 9. Dezember 1877 in Prag. Gewidmet ist es dem tschechischen Geigenvirtuosen František Ondricek, „seinem lieben Freunde“, selbst Komponist und einige Jahre später Solist der Uraufführung von Dvoráks Violinkonzert.
Interessanterweise entnahm Dvorák das Hauptthema der Romanze vollständig dem langsamen Satz seines 1873 vollendeten Streichquartetts in f-Moll op. 9, allerdings nur das Hauptthema. Die beiden anderen Themen, die fugierte Orchestereinleitung, der gesamte Mittelteil, der Schluss sind komplett neu erfunden und belegen ein weiteres Mal den schier unendlichen Einfallsreichtum des Komponisten, über den Johannes Brahms einmal sagte, er habe „mehr Ideen als wir alle. Aus seinen Abfällen könnte sich jeder andere die Hauptthemen zusammenklauben.“ Entstanden ist so ein hinreißend poetisches kleines Meisterwerk voll slawisch-melancholischer Sanglichkeit, wehmütig und doch zugleich duftig-schwebend, wie es außer Schubert vielleicht nur Dvorák zu schaffen vermochte.
Es könnte diese Entstehungsgeschichte der Romanze sein, das Erwachsen aus der Intimität des Streichquartetts, die den renommierten Komponisten und ausgesprochenen Edelbratscher Xaver Paul Thoma dazu veranlasst hat, Dvoráks op. 11 für Violine und Streichorchester zu bearbeiten. Daneben mag wohl das Fehlen von geeigneter spätromantischer Literatur für ebendiese Besetzung eine Rolle gespielt haben. Nach Schubert und Mendelssohn und vor Karl Amadeus Hartmann hat hier 100 Jahre lang kein bedeutender Komponist mehr einen nennenswerten Beitrag geliefert.
Es ist kein geringes Unterfangen, den harmonischen und farblichen Reichtum von Dvoráks meisterlichem Orchestersatz mit einem nur auf Streicher reduzierten Instrumentarium adäquat abbilden zu wollen. Immerhin, mit einigen Tricks, mit durchgängig doppelt besetzten Bratschen und vielfach geteilten ersten Geigen gelingt es Thoma, alle wesentlichen Strukturen im Streichersatz zu bündeln. Der Gefahr klanglicher Verdickung und Klebrigkeit, entstehend durch Massierung der Solovioline sowie der geteilten Tuttigeigen und -bratschen im selben Register, ist sich Thoma wohl bewusst. Immer wieder eingestreute Soli tragen dazu bei, das Klangbild im Ganzen transparent und schlank zu halten.
Man mag dem Original den Vorzug geben, nichtsdestoweniger hat Thoma mit seiner geschickt gemachten und insgesamt sehr gelungenen Transkription hervorragende Arbeit geleistet. Manches Streicherkammerorchester wird dankbar dafür sein, auf Konzertreisen zusätzlich zu den gängigen Barockhits und den wenigen Violinkonzerten und Konzertstücken aus späteren Epochen über eine weitere attraktive Programmoption zu verfügen.

von Herwig Zack